Kreuzlinger Net

Wanderer zwischen den Welten – Podiumsgespräch

Blauortstrasse 10, 8272 Ermatingen, Thurgau

Kategorien: Konzerte & Live Events

Event teilen:

Stichwörter:

Wanderer zwischen den Welten

Eine Wanderausstellung, die während des Festivals Kammermusik Bodensee auch im Lilienberg Station machen wird, steht unter dem Titel Paul Juon – Bündner Komponist aus Moskau – Spät geboren, früh vergessen, neu entdeckt. Seine faszinierende Musik beschäftigt Martin Lucas Staub seit Jahren immer wieder und damit die Idee, Teile aus seinem umfangreichen Werk als roten Faden für eine Ausgabe des Festivals Kammermusik Bodensee zu verwenden.

Aus Anlass von Paul Juons 150. Geburtstag im Musikjahr 2022 wird dieses Vorhaben nun endlich in die Tat umgesetzt. In jedem Konzertprogramm tritt dabei Musik dieses grossen Schweizer Komponisten in Dialog zu beziehungsreichen Werken von Mozart und Beethoven bis hin zu einer Uraufführung des französisch-schweizerischen Komponisten Richard Dubugnon, der in diesem Konzert auch gleich selber als Kontrabassist mitwirkt. Das Publikum hört dabei ganz unterschiedliche Besetzungen vom Duo übers Trio bis hin zu Sextett und Oktett.

Paul Juon ist ein Wanderer zwischen den Welten, sowohl was sein Leben zwischen Moskau, Berlin und der Schweiz angeht als auch mit seiner Musik. Sein Leben war aber auch geprägt durch viele Erinnerungen und Sehnsüchte: So besuchte er mehrmals das bündnerische Masein bei Thusis und bemühte sich aktiv und erfolgreich um das Bürgerrecht der Gemeinde, aus der sein Grossvater einst nach Russland aufgebrochen war. In einem Brief schreibt er vom «Umstand, die Heimat meiner Vorväter vor Augen zu haben, der ein ungeahntes wundervolles Glücksgefühl in meinem Herzen wachrief.» Gleichzeitig bleibt in all seinen Werken die tiefe Verwurzelung in der russischen Musikkultur hörbar und spürbar, auch dann noch, als er längst weit weg vom Lande seiner Jugend in Berlin lebte.

Das Motto des Festivals Wanderer zwischen den Welten wird auch in weiteren Werken hörbar, so beispielsweise im neuen Klaviersextett Souvenir de Moscou von Richard Dubugnon, das neben seiner persönlichen zeitgenössischen Tonsprache Reminiszenzen an Juon enthält, oder in Mikhail Glinkas Trio Pathétique, in dem der Vater der nationalen russischen Musik hörbar die Eindrücke seiner Italienreise einfliessen lässt oder in der Verklärten Nacht von Arnold Schönberg, die zwischen den Welten der Spätromantik und der sich auflösenden Tonalität schwebt. Diesen Wanderern will das Festival Kammermusik Bodensee 2022 nachspüren – und das wie immer mit erstklassigen Musikern, die dieses Jahr ganz Paul Juons Herkunft entsprechend vorwiegend aus dem russischen Kulturraum und der Schweiz stammen. Es wird damit auch eine Brücke geschlagen zwischen den Kulturen, die gerade in der gegenwärtigen Zeit so unendlich wichtig ist.

Im Rahmen des traditionellen Engagements des Festivals für den Nachwuchs findet am Freitag und Samstag ein Workshop für Violine statt, der öffentlich ist und kostenlos mitverfolgt werden kann. In der Matinee Junge Talente am Sonntagvormittag sind die jungen Geigerinnen und Geiger neben Talenten aus der Region auch im Konzert zu erleben.

Neben den beliebten anekdotischen Einführungen in die Programme durch den Musikalischen Leiter Martin Lucas Staub wird am Sonntagnachmittag auch ein Podiumsgespräch über Paul Juon und eine Führung durch die Ausstellung Paul Juon – Bündner Komponist aus Moskau – Spät geboren, früh vergessen, neu entdeckt angeboten.


Kommentar abgeben

© 2022 Kreuzlinger.net | Negara AG | Impressum